Wir kommen zu unserem Bericht über die „All Eyes On Gaza“-Demonstration in Berlin am 27. September 2025.
Hier hören wir den ersten Teil unseres Berichts. Am Ende jedes Teils findet sich ein Link zu den Songs, die auf der „All Eyes On Gaza“-Demo vorgetragen wurden.
In diesem ersten Teil hören wir unseren Prolog zur Demo, den Aufruf zur Kundgebung sowie die Redner:innen Pegah Ferydoni, Meloka Foroutan, Basem Said und Michael Barenboim.
Hier das Skript zum Beitrag:
Nun also zur Kundgebung „All eyes on Gaza“, die am 27. September in Berlin vor der Siegessäule stattgefunden hat. Sie wurde vor allem initiiert von medico international und amnesty international sowie von der Palästinensischen Gemeinde Deutschlands und eye4palestine. Unterstützt wurde diese Kundgebung von so vielen Organisationen, dass wir mit der vollständigen Aufzählung schon fast am Ende dieser Sendung wären. Erwähnt sei nur, dass laut der Unterstützeraufzählung auf der Homepage von all-eyes-on-gaza.de sich nicht eine einzige gewerkschaftliche Organisation findet, nicht eine! Andererseits wieder verständlich. Wir sind ja nicht in Italien hier. Die Katholiken hingegen sind mit pax christi vertreten. Und bei der Aufzählung der unterstützenden Einzelpersonen the same picture. „Hoch die internationale Solidarität!“, da war mal was, nö? Und die Solidarität sollte allen Unterdrückten und Entrechteten dieser Welt gelten, wie? Übrigens, die Namen der führenden Holocaustforscher Amos Goldberg oder Omer Bartov finden sich in der Aufzählung der Einzelpersonen, die diese Kundgebung unterstützten. Seine Stimme gerade dann erheben, wenn die Staatsräson anderes will, das nannte sich auch in Deutschland einmal Zivilcourage und war in der progressiven Pädagogik Bildungsziel, auch als Lehre aus der Zeit, die ein führender Politiker der AfD ungestraft „Fliegenschiss der deutschen Geschichte“ nennen darf.
Wie beschreibt mensch die Zusammensetzung der Kundgebungsteilnehmer:innen? Viele aus migrantischer wie deutscher Herkunft kamen zu Zehntausenden zusammen. Ab wann ist mensch aber eigentlich deutscher Herkunft oder immer noch migrantischer? Keine Ahnung, wir hier beim Trotzfunk haben es ohnehin nicht so mit den Nationalitäten. Andererseits drückten sich gerade im musikalischen Teil der Veranstaltung eine Menge an Frust über die gemachten Diskriminierungserfahrungen von Menschen mit so genannter migrantischer Herkunft aus, das wiederum öfter scharfsinnig differenziert wie im von uns sehr verehrten PTK-Song „Wahnsinn“, den wir entweder heute noch oder in der nächsten Sendung hören werden, weil, wir wollen einen repräsentativen, authentischen Gesamtüberblick über diese Kundgebung geben, unkommentiert, denn wir sind ja nicht die Gurus der absoluten Wahrheit hier, wir haben ja alle Köpfe mit Gehirnen drin, um selber zu denken. Dies wollen wir auch deswegen so ausführlich, weil viel über die so genannte „Palästinasolidarität“ geredet wird, ohne dass die durchaus unterschiedlichen Meinungen aus diesem Spektrum selbst zu Gehör kommen. Denn schon bei diesem Begriff geht es ja los, was genau meint „Solidarität mit Palästina“? Genauso wie zu fragen wäre, was genau meint „Solidarität mit Israel“? Deswegen wird es jedenfalls so sein, dass die Kundgebung „All Eyes on Gaza“ auch noch Zeit der nächsten Sendung beanspruchen wird. Auf unserer Seite trotzfunk-marburg.de wird das Gesamtkunstwerk aber schon früher zu hören sein.
Noch eine Vorbemerkung. Die musikalischen Darbietungen der Kundgebung „All Eyes On Gaza“ haben mit ihren Basslines, die einen voll in die Brust trafen, nicht sehr freundlich übrigens für Menschen mit Herzproblemen oder gar -schrittmachern, nein, wir meinen damit nicht uns selbst, aber hey, awareness und so für alle Menschen, auch die mit länger zurückliegenden Geburtsjahren, jedenfalls wurde zumindest unser armes Mikro völlig überfordert. Die gibt es also als Konserve statt live.
Dann sorry, bei dem ein oder anderen wichtigen Redebeitrag muss halt konzentrierter zugehört werden, einerseits weil aus für uns nicht ganz erklärlichen Gründen Redebeiträge etwas verzerrt sounden, andererseits weil bei einer solchen Kundgebung, vor allem wenn sie 5 Stunden geht, nicht alle ihre Klappe halten und zuhören können. Ist halt so. Es geschah aber auch folgendes trauriges. Neben mir brach mehrmals eine junge Frau zusammen, ihre Leute um sie kümmerten sich um sie. Was haben sie wohl auszuhalten?
Der Einleitungsworte sind aber nun genug geredet, hören wir uns an, mit welchem Text zur Kundgebung gerufen wurde:
„In Gaza werden nach wie vor ganze Familien durch Bomben ausgelöscht und tagtäglich wahllos Zivilist:innen umgebracht, unter ihnen viele Kinder. Hungernde Menschen suchen an den wenigen israelisch kontrollierten Ausgabestellen nach Hilfe und finden dort stattdessen den Tod. Unabhängige humanitäre Hilfe und Versorgung wird durch Israel blockiert und verhindert. Fast die gesamte Bevölkerung des Gazastreifens befindet sich auf der Flucht.
Das Vorgehen der israelischen Regierung wird von Expert:innen und internationalen Organisationen seit Langem als Genozid beschrieben und vom Internationalen Gerichtshof als solcher untersucht. Während jede:r sehen kann, wie die israelische Armee Massengräuel in Gaza verübt, leugnet die Bundesregierung die systematische Gewalt.
Wir wollen die deutsche Komplizenschaft beenden und gegen die sogenannte Staatsräson auf die Straße gehen! Wir fordern von der Bundesregierung und dem Deutschen Bundestag:
- Beenden Sie jegliche militärische Kooperation mit Israel. Dazu gehören Import, Export und Transit von Waffen, Munition und anderen Rüstungsgütern.
- Nutzen Sie alle zur Verfügung stehenden Mittel, um den ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe nach den anerkannten humanitären Prinzipien sowie einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand für Gaza zu erreichen.
- Setzen Sie sich für ein Ende der seit Jahrzehnten andauernden Vertreibung und der illegalen Besatzung des palästinensischen Gebiets ein.
- Unterstützen Sie die internationale Gerichtsbarkeit ohne Einschränkungen und setzen Sie ihre Entscheidungen vollständig um.
- Setzen Sie sich für die Freilassung aller Opfer von Kriegsverbrechen ein, die sich als illegal Inhaftierte zu Tausenden in israelischen Gefängnissen und zu Dutzenden in Geiselhaft in Gaza befinden.
- Setzen sie sich für die Verwirklichung des Rechts auf individuelle und kollektive Selbstbestimmung und Gleichberechtigung der Palästinenser:innen ein.
- Schützen Sie die Rechte auf Meinungs-, Versammlungs- und Wissenschaftsfreiheit in Deutschland. Beenden Sie die Unterdrückung legitimer Proteste und freier Meinungsäußerung der Palästina-solidarischen Bewegung.
Wir verurteilen alle Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen, unabhängig davon, ob sie von israelischen oder palästinensischen Akteur:innen begangen werden. Für uns gelten das Völkerrecht und die Menschenrechte immer und für alle. Angesichts der Massentötungen in Gaza und der systematischen Zerstörung richten wir unsere Hauptkritik aber an die israelische Regierung und ihre Unterstützer:innen.“


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